Das Seminar aus dem Modul Kultur und Gesellschaft soll zunächst die Begriffe „Alltag“ und „Lebenswelt“ im kulturwissenschaftlich gebrauchten Sinne vertiefen sowie ihre Extension bestimmen und ausdifferenzieren. Im zweiten Teil des Seminars geht es um den alltagskulturellen Niederschlag einer gravierenden, sowohl politischen wie auch gesellschaftlichen, ökonomischen und konfessionellen Transformation, die in Deutschland nach dem II. Weltkrieg stattgefunden hat: Damit gemeint ist die Ankunft und Integration von ca. 12-14 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen aus Ostmitteleuropa und Südosteuropa mit den damit verbundenen Herausforderungen etwa im Hausbau und Wohnen, im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Gewohnheiten der Nahrungszubereitung, in der Religionspraxis u.a.m. Sowohl an exemplarischen Forschungsarbeiten wie auch an bis in die Gegenwart empirisch wahrnehmbaren Zeugnissen der Lebenswelt soll dieser alltagskulturelle Niederschlag erkundet und diskutiert werden.
Die Seminarveranstaltung wird mit zwei 1-Tages-Exkursionen verbunden.
Literatur:
Assmann, Aleida/ Harth, Dietrich (Hg.): Kultur als Lebenswelt und Monument. Frankfurt/M. 1991.
Bausinger, Hermann: Neue Siedlungen: volkskundlich-soziologische Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts Tübingen. Stuttgart 1959; 2., veränd. Aufl. 1963.
Köhle-Hezinger, Christel (Hg.): Neue Siedlungen – neue Fragen. Eine Folgestudie über Heimatvertriebene in Baden-Württemberg – 40 Jahre danach. Tübingen 1995.
Kossert, Andreas: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945. 1. Aufl. München 2008; Neuaufl. BpB. 2015.