Vermittlungsprojekt

Zwischen Verlust und Neubeginn. Briefe erzählen. Eine Ausstellung zu 80 Jahren Vertreibung der Deutschen aus Ungarn

Anlässlich des 80. Jahrestages der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn wurde im Stadtmuseum Gerlingen, zugleich Museum der Deutschen aus Ungarn, am 21.06.2026 eine Ausstellung in Kooperation mit dem IKDE Freiburg eröffnet.
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Die Sonderausstellung ist vom 21.06.2026 bis 31.01.2027 zu sehen und bietet in dieser Zeit ein Begleitprogramm sowie kuratorische Führungen seitens des IKDE:

  • am 14.07.2026 um 16 Uhr,
  • am 27.12.2026 um 15 Uhr,
  • am 19.01.2027 (Gedenktag der Vertreibung in Ungarn) um 18 Uhr sowie
  • an weiteren Terminen nach Absprache.

Im Mittelpunkt der am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung (20. Juni) anknüpfenden Sonderausstellung stehen Originalbriefe von Vertriebenen aus dem Archiv des IKDE. Die mit dem Gerlinger Museum gemeinsam kuratierte Ausstellung wird in einer Stadt gezeigt, die eine führende Rolle für die Kultur der Ungarndeutschen in Baden-Württemberg ausübt: Nachdem Gerlingen selbst viele Vertriebene u.a. aus Ungarn aufgenommen hatte, übernahm die Stadt 1969 die Patenschaft für die Landsmannschaft der Ungarndeutschen, betreut seit 1971 ihr Museum und bietet seither eine zentrale Plattform für kulturelle Aktivitäten und Begegnungen mit der Betroffenen- und Nachfahrengeneration. 

Vier Personen posieren bei einer Ehrung für ein Gruppenfoto. Zwei halten Präsentkörbe, eine Person einen Blumenstrauß.

Projektdetails

Projektlaufzeit: 2025-2027
Projektbeteiligte: 

  • Dr. Csilla Schell (IKDE, Kuratorin)
  • Dr. Birgit Knolmayer (Stadtmuseum Gerlingen, Kuratorin)
  • Polina Maykova, Gitti Scherer (Grafik/Szenografie)
  • Elke Haberhauer, Christine Gfrörer, Carlo Leinauer/IKDE (Kuratorische Mitarbeit)
  • Team Stadtmuseum (Nicola Czieslik, Karin Drißler, Franz Haberhauer, Emiliy Meiser, Dagny Schütze, Ingeborg Stracke)


Kooperation: Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn 

 

Archiv trifft Museum – ein Kooperationsprojekt

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung stehen Originalbriefe von Vertriebenen aus dem Ofner Bergland, die zwischen 1946 bis 1979 geschrieben wurden. Die für die Ausstellung vom IKDE leihweise bereitgestellten Briefe stammen aus der Briefsammlung des Nachlasses von Eugen Bonomi. 

Die vonseiten des IKDE eingebrachte Expertise fußt auf dem Archiv-Forschungsprojekt zu den ca. 450 Vertriebenenbriefen des Bonomi-Nachlasses sowie auf Erkenntnissen einer gesonderten Forschungsarbeit .

Die Auswahl der Briefe und Zitate erfolgte unter drei Aspekten:

  • thematisch, da die ausgewählten Briefe und Passagen verschiedene Alltagszenen der Ankunftszeit aus individueller Perspektive beschreiben (Wohnen, Hungern, Bauen, usw.),
  • sprachlich, da sie die donauschwäbische Sprachlichkeit auf eine besondere Art spiegeln (Gebrauch von Varietäten, u.a. Wechsel ins Ungarische),
  • und schließlich wurden Briefe als neue Zeugnisse für die Vertriebenen-Briefkultur der Nachkriegszeit ausgesucht, die unter anderem in soziale Aspekte des Briefschreibens Einblick gewähren (u.a. Schreiben im Kalten Krieg, Geschlechterrollen der Schreibenden).

Den schriftlichen Exponaten wurden einerseits Museumsobjekte an die Seite gestellt, andererseits werden die in den Briefen aufgegriffenen Themen durch szenografische Elemente und grafische Installationen visuell kontextualisiert. Bonomis Kaffee-Gespräche mit Vertriebenen, die er in späteren Jahren auf Tonband aufnahm, ergänzen die Ausstellung mit Audiobeispielen.

Blick in die Ausstellung. Ein Foto von flatternden Briefen.
Szenische Umsetzung der „Flut von Briefen“, die Eugen Bonomi von vertriebenen Landsleuten nach ihrer Ankunft erreichte (Museum, 1. Raum).
Detail von verwendeten Briefumschlägen.
Potpourri an historischen IKDE-Originalbriefumschlägen aus verschiedenen Zeiten, mit Bonomis Bleistiftskommentaren (Museum, 1. Raum).
Blick in einen Ausstellungsraum. Zu sehen ist ein großes Schwarz-Weiß-Foto eines sitzenden Mannes. Auf dem Tisch vor ihm stehen ein offener Koffer mit Kassetten sowie zwei Porzellantassen.
Inszenierung eines Sonntagsbesuchs: Einige Jahre vor seinem Tod besuchte Bonomi seine Kontaktpersonen, darunter auch Schreiberfamilien. Bei diesen Sonntags-Kaffeegesprächen wurden Geschichten über alte Heimat, Ankunft und allerlei Geschichten erzählt (Museum, 1. Raum).
Blick in den Ausstellungsraum
Szenen zu Entwicklungen in der neuen Heimat: Tracht umnähen, eigenes Haus bauen – und nach einem Besuch der Heimatgemeinde ggf. zum Plattensee zum Urlaub fahren (Museum, 3. Raum)
Viele Leute sitzen in einem Saal und hören einem Redner zu.
Eröffnung im Rathaussaal mit nahezu 100 Gästen, die trotz großer Hitze kamen; belohnt wurden sie im Museum mit ungarischem Wein, Salamihäppchen und handgemachtem Salzgebäck (pogácsa)