Quartalston 5/2025 - Weihnachtsedition

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Tonarchiv IKDE Freiburg, Band 1092, aufgenommen in Dieten-heim bei Illertissen im Juni 1976

„Winterobst"

Mit dem Advent ist das Schwein bald Geschichte – und Wurst

Neben dem Weihnachtskarpfen oder der -gans gilt vielen Familien die Kombination aus Kartoffelsalat und Würstchen als traditionelles Festtagsessen an Heiligabend.

Die Würste – meist Fleisch- oder Bratwürste – kommen heute vom Schlachter oder auch aus dem Supermarkt. Bei Herrn R. (Jg. 1903) aus der ungarischen Batschka und vielen seiner Generation wurden sie jedoch nicht nur in Handarbeit hergestellt, sondern waren auch wortwörtlich hausgemacht: Das Schlachten war Aufgabe der Familie „von Kindheit an angelernt“, sodass sich alle beteiligten, wenn die Schweine Ende November, Anfang Dezember ‚schlachtreif‘ waren. 

Es klingt Stolz mit, wenn Herr R. davon spricht, dass man keinen Metzger gebraucht habe und stattdessen alle Abläufe selbst besorgen konnte. So wurde Schinken für das Räuchern vorbereitet und Speck eingesalzen. Das „Winterobst“ wurde auf diese Weise haltbar gemacht und sorgte gegen die Angst vor Hunger und Mangel über den Wintervor. Aus dem, was dann noch vom Schwein übrigblieb – Herr R. verwendet tatsächlich das Wort „Abfall“ – wurden abschließend die Werscht, Brat- und Blutwürste, gemacht. Letztere sind sodann auch das Abendessen für alle helfenden Hände.

Wenn wir nun auf dem Weihnachtsmarkt eine Bratwurst essen, ist diese vergangene Realität weit weg. Die Tradition des vorweihnachtlichen Schweineschlachtens hat sich im östlichen Europa indes teilweise erhalten: In Rumänien wird das Schlachtfest (pomana porcului) im ländlichen Raum bis heute am 20. Dezember, dem Ignatiustag, begangen – und ganz wie es Herr R. schildert, sind auch hier Familie und Freunde eingeladen, die Früchte der getanen Arbeit zu probieren.

Batschka

Die Batschka ist eine Region in Mittel- und Südosteuropa, die heute zum Teil zu Ungarn und zum (größeren) Teil zu Serbien gehört.Das Land ist flach und wird von den Flüssen Donau im Süden und Theiß im Osten begrenzt.In der Frühen Neuzeit siedelten sich hier unter habsburgischer Herrschaft Donauschwaben an, die u.a. aus der Pfalz, Südhessen und Schwaben kamen.Ihrem Leben in der Region wurde durch den Verlauf des Zweiten Weltkriegs ein Ende gesetzt: Einige Donauschwaben wurden evakuiert, andere wurden in jugoslawischen Lagern interniert und konnten die Region erst in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre mit dem Ziel Deutschland verlassen.

 

Tonarchiv: Jana Stöxen

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