Quartalsbild 5/2025 - Weihnachtsedition

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Rolle mit Kuchenmodell mit einem dekorativ geschnitzten Griff auf einer hölzernen Unterlage.
Rolle mit Kuchenmodel, 1935, Elbing / Elbląg, Westpreußen (Polen). Sammlung: Collegium Carolinum – Oskar von Zaborsky, Bildarchiv des IKDE, Inv. Nr. Fk00234.

In der Weihnachtsbäckerei – Backmodel 

Gerade zu Weihnachten wird vielerorts gebacken. Neben Plätzchen und Kuchen wird häufig auch Motivgebäck wie etwa Spekulatius hergestellt. Dazu werden seit Jahrhunderten sogenannte „Model“ verwendet, mithilfe derer Bilder und Muster in den Teig gedrückt werden.

Der Begriff „Model“ stammt vom lateinischen „modulus“, was „Maß“ oder „Maßstab“ bedeutet. Die ersten Model entstanden bereits im Spätmittelalter aus Stein und Ton. Im 16. Jahrhundert kamen Holzmodel auf, die insbesondere für die Herstellung von Lebkuchen und anderen Backwaren wie Kuchen verwendet wurden (vgl. Kronberger-Frentzen). Auch Springerle und Marzipan sowie Butter wurden und werden zum Teil mit Modeln hergestellt bzw. verziert. 

Meist handelt es sich bei dem Formgebäck um Vierecke, Rauten oder Kreise. Manchmal werden die Bilder aber auch auf einer Rolle/Walze geschnitzt, die über den Teig gerollt wird – so auf dem Bild hier zu sehen. Viele der Model zeigen religiöse Symbole, biblische Szene, aber auch weltliche Darstellungen oder Muster. 

„[Backmodel] haben ein weites Verbreitungsgebiet von Norddeutschland nach Süddeutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Tschechien, Ungarn usw.“ (Hinrichsen, S. 17) Meist wurden sie von spezialisierten Schnitzern, sogenannten Formschneidern, hergestellt. Es war üblich, dass der Schnitzer sein Model signierte. So lässt sich vermuten, dass es sich bei den Buchstaben „H P“ auf dem Griff des abgebildeten Backmodels um die Initialen des Schnitzers handeln könnte.

Über die Entstehung und die Verwendung des abgebildeten Backmodels ist leider nur wenig bekannt. Es wurde 1935 im Städtischen Museum im westpreußischen Elbing (Elbląg) aufgenommen. Fotografiert hatte es der böhmisch-bayerische Volkskundler Dr. Oskar von Zaborsky, der in West- und Ostpreußen, Pommern, Böhmen, Mähren und der Slowakei unterwegs war. Auf seinen Reisen besuchte Zaborsky viele Volkskunde- und Kreisheimatmuseen und fotografierte deren Exponate.

 

Quellen:

Kronberger-Frentzen, Hanna: Die alte Kunst der süßen Sachen. Backformen und Waffeleisen vergangener Jahrhunderte, Hamburg 1959. 
Hinrichsen, Torkild: Im Knusperhaus. Lebkuchen aus Europa, Husum 2008.

Bildarchiv: Teresa Volk

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