Quartalston 3/2026

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Tonarchiv IKDE Freiburg, Band 854, aufgenommen in Saderlach (Zádorlak, Zădăreni/Zădărlac), Banat, Rumänien, September 1969

Zischdig geht’s nach Neu-Arad. Markt-Wirtschaft im Banat.

Der Markttag hat einen langen Vorlauf: Bevor es am Zischdig – im alemannischen Dialekt der Gegend: am Dienstag – aus den Dörfern der Umgebung auf den Markt nach Neu-Arad (Aradul Nou/Újarad) ging, hatten die Bauersfamilien einiges zu bedenken. Bereits am Mendig, dem Montag, wurden die Vorbereitungen getroffen, es wurde „g’märktet“: So stampften die Bäuerinnen Butter, stellten Käse her, verstauten die Eier sicher in einem Korb, den sie mit Kieseln auffüllten, damit alles ganz blieb, und fingen die Hühner ein. Der Bauer füllte derweil „Kukuruz“ (Mais) und Gerste in Säcke und lud die Feldfrüchte ein.


Am Montagabend musste alles fertig sein, damit sie am Dienstag „in aller Herrgottsfrühe“, meist noch vor Sonnenaufgang, aufbrechen konnten. Heute sind es von Zădăreni nach Aradul Nou gut zehn Minuten mit dem Auto. In den vorherigen Jahrhunderten werden die Bäuerinnen und Bauern den Weg zwischen Saderlach und Neu-Arad mit dem Pferdewagen bestritten haben, die Ärmeren unter ihnen waren aber sicher auch zu Fuß unterwegs und haben für die knapp zehn Kilometer ungleich länger gebraucht.


Für alle aber galt, dass der Markt ein wesentlicher Marker im Wochenverlauf war: Man bereitete sich vor, hielt den langen Markttag ab, verkaufte Obst, Gemüse, Getreide, Milchprodukte und Fleisch und kaufte, was der eigene Hof nicht hergab, zum Beispiel Stoffe oder Werkzeug. Dabei war der Markt nicht nur ein Umschlagplatz für Waren, sondern auch für Neuigkeiten: Hier trafen sich die Bäuerinnen und Bauern der Umgebung und erfuhren allerlei Neues, aus den Dörfern wie aus der Stadt.


Markt-Wirtschaft bedeutete für die Bäuerinnen und Bauern sowie ihre Kundschaft also nicht nur Handel: Durch den weitläufigen Austausch von Dingen, Neuigkeiten, Klatsch und Tratsch bildete er auch ein alltägliches Zentrum, in gewisser Weise ein soziales Netzwerk.

 

Tonarchiv: Jana Stöxen

 

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