
Der Weg zum Markt
Ein Mann und eine Frau schieben ein mit einigen Körben voll bepacktes Fahrrad. Vermutlich handelt es sich bei der Ladung um Pfirsiche, die gerade zum Markt transportiert werden. Die rundlichen Wölbungen unter den weißen Tüchern in Kombination mit der Tatsache, dass in Budaörs erfolgreich Pfirsich angebaut, verkauft und sogar exportiert wurde, sprechen dafür. (vgl. Seiler, Stefan) Hier, in der Ortschaft Buadörs im Ofner Bergland in der heutigen Republik Ungarn wurde das Bild im Jahr 1939 aufgenommen.
Ein ehemaliger Bewohner des Ortes schreibt im Budaörser Heimatbuch in Bezug auf die Ernteerträge nicht ohne Stolz dieses Jahres: „1000 Waggon zu je 50 Doppelzentner. Ich darf diese Zahl veranschaulichen. Wenn man die Obstkisten, in welche man diese Riesenmenge von Pfirsichen verpackt hatte, aneinanderreiht, so ergibt das einen Pfirsichpfad von Budaörs bis Nürnberg (500 Kilometer)! (…) Hierzu wäre noch zu erwähnen, dass im Jahre 1939 248 Waggons Pfirsiche aus Budaörs ins Ausland (Deutschland, England, Polen) geliefert wurden.“(Seiler, Stefan)
Der Pfirsichanbau in der Region Budaörs besteht weiterhin fort, wenn auch in deutlich geringerem Umfang als während seiner Blütezeit in den Zwischenkriegsjahren. Ein Indiz hierfür ist die Eintragung der Bezeichnung ‚Budaörsi őszibarack‘ für die Früchte aus der Region als geschützte geografische Angabe der Europäischen Union (vgl. Amtsblatt der Europäischen Union, 2021).
Die im Heimatbuch beschriebene Vorstellung eines „Pfirsichpfades“ von Budaörs bis Nürnberg macht deutlich, welche Bedeutung der Pfirsichanbau einst hatte. Und auch der Weg zum Markt, den wir hier sehen, ist Teil dieses Pfades und der daran teilhabenden Menschen: Der Pfirsich als Teil des täglichen Brotes wurde von ihnen angebaut, geerntet, verkauft – und sicherlich auch in der Region gern gegessen.
Quellen:
Seiler, Stefan: Vom Pfirsichparadies. In: Riedl, Franz (Hrsg.): Budaörser Heimatbuch. Stuttgart: Unsere Post, 1952. S. 131-134.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32021R0631
Bildarchiv: Alexandra Waliño Fernandez