Quartalsbild 4/2026

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Holzform mit eingeschnitzten Motiven.
Backmodel aus Holz, Elbing / Elbląg, 1935. Sammlung Collegium Carolinum, Bildarchiv des IKDE, Signatur: Fx00235.

Der Kinderbaum – ein Glückssymbol für Familie und Fruchtbarkeit

Ein Harfenspieler, ein Mann mit einer Brezel, ein Kinderbaum, ein tanzendes Paar – vier Symbole auf einem Backmodel aus Holz, das zur Anfertigung von Gebäck (z.B. Springerle, Lebkuchen) oder Kuchen verwendet wurde. Derartige Backwaren dienten häufig als Glücksbringer oder Trostspender, als Neujahrswünsche oder Liebesgaben.

So steht der Harfenspieler vermutlich für die biblische Figur König David, der für sein Harfenspiel bekannt war, und ein Symbol für Glaube und Harmonie ist. Der Mann mit der Brezel symbolisiert Nahrung und Wohlstand, das tanzende Paar Liebe und Glück. Aber wofür steht der Kinderbaum, der bereits auf den ersten Blick Rätsel aufgibt, weil er eben keine Birnen oder Zwetschgen, sondern Kinder trägt? 

Er symbolisiert den Wunsch nach einer großen Familie und die Hoffnung auf viele Kinder. Er soll die Familie außerdem vor Krankheiten und Unglück schützen. Oft wird der Baum mit vielen Ästen dargestellt, auf denen Kinder sitzen oder spielen. Sie symbolisieren die große Anzahl der Kinder in der Familie, wie sie lange und insbesondere in ländlichen Gegenden der Norm entsprach. Gebäck mit einem Kinderbaummotiv diente demnach als Geschenk- oder Festtagsgebäck, das Segen, Gesundheit und häusliches Glück für die Familie wünschte.

Häufig, besonders in West- und Süddeutschland, werden Büsche und Bäume als Herkunftsort der kleinen Kinder bezeichnet. […] In Sieben-bürgen (Mettersdorf) beherbergen Birnbaum und Zwetschkenbaum die Ungeborenen. Zuweilen bewacht die seltsamen Früchte eine geheimnisvolle Frau, eine Hexe oder, sicher in echterer Überlieferung, Frau Holle, in Schlesien die „Spillaholle“ (Spindelholle).

Beitl, Richard: Der Kinderbaum. Brauchtum und Glauben um Mutter und Kind. Berlin 1942, S. 43 f.

Die hier gezeigte Aufnahme stammt von dem böhmisch-bayerischen Volkskundler Dr. Oskar von Zaborsky (1898–1959), der auf seinen Reisen durch West- und Ostpreußen, Pommern, Böhmen, Mähren und der Slowakei viele Exponate in Heimatmuseen fotografierte. Das geschnitzte Backmodel nahm Zaborsky 1935 im Städtischen Museum im westpreußischen Elbing (Elbląg) auf.

 

Bildarchiv: Teresa Volk

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